Borrowed Light (Farrow&Ball Paint), Ink, Paper, Objects
2025
A family tree with three artefacts mounted in between.
On the day of the laying of the memorial in Vienna in September 2025, I asked the two children of the Schick family's sole survivors – my mother and my aunt – to bring an object to the Bezirksmuseum Mariahilf. This marked the opening of my long-term project at the museum. The exhibition started with emptiness, but was filled with these three objects as a point of departure. My mother chose a porcelain figurine that her mother had given her, and my aunt brought a medal that her father had received for serving in the Jewish Brigade during the war. I added a photograph of my grandmother posing with three other people, who I have yet to identify, taken in a Budapest photo studio in 1936.
INV.-NR.FS 001
PORZELLANFIGUR
UM 1920
PORZELLAN, H 16 CM
TÄNZERIN,
AM FUSS BESCHÄDIGT
ROSENTHAL, ENTWURF 1913
VON ERNA VON LANGENMANTELREITZENSTEIN
Diese Porzellanfigur wurde von der Mutter der
Künstlerin in die Ausstellung eingebracht. Sie
stammt aus dem Besitz ihrer Großmutter Blanka
Schick, die 1938 aus Wien fliehen musste. Ob Blanka
die Figur auf ihrer Flucht mitführte oder sie erst später
in der Schweiz erwarb, lässt sich nicht mehr mit
Sicherheit sagen.
Auf Anfrage bei der Porzellansammlung in Selb wurde
die Figur als Entwurf von 1913 identifiziert, bemalt
vom Porzellanmaler Weigand in der Kunstabteilung
von Rosenthal. Der Bodenstempel trägt die
Aufschrift Rosenthal, Selb-Bavaria.
INV.-NR.FS 003
FOTOGRAFIE
FOTOSTUDIOAUFNAHME,
VERMUTLICH WIEN ODER BUDAPEST,
UM 1936
Diese Fotografie zeigt Blanka Schick (zweite von
links) und drei unbekannte Personen. Bis zum heutigen
Zeitpunkt konnte ich die Mitreisenden nicht
identifizieren. Entstanden ist sie kurz vor dem „Anschluss“.
Ob sie tatsächlich in einem Budapester Fotostudio
aufgenommen wurde oder ob das Flugzeugmotiv
nur eine Kulisse war, bleibt ungewiss. Die
Fotografie wurde matrilinear überliefert und von der
Künstlerin in die Ausstellung eingebracht.
INV.-NR.FS 002
MEDAILLE FÜR JÜDISCHE
FREIWILLIGE IN DEN
BRITISCHEN STREITKRÄFTEN
1975
BRONZE, 60 MM
ENTWURF: ROTHSCHILD & LIPMAN
AUSZEICHNUNG, BRITISCHE
ARMEE / JÜDISCHE BRIGADE,
ITALIEN & ALGERIEN
UM 1944–45
Diese Medaille gehörte Emil Schick, dem Bruder von
Blanka Schick. Nach seiner Flucht aus Wien trat er
1939 der britischen Armee bei und diente in Italien
sowie im heutigen Algerien, unter anderem als Mitglied
der Jewish Brigade. Dieses militärische Artefakt
wurde von seiner Tochter in die Ausstellung eingebracht.
Symbolisch war die Brigade wichtig: Sie war die erste
offiziell anerkannte jüdische militärische Formation
im Dienst der Alliierten, was für viele Überlebende
und Geflüchtete eine politische und psychologische
Bedeutung hatte.
Die Inschrift auf Hebräisch heisst übersetzt:
„Hier bin ich, sende mich“ (Jesaja 8:1) auf Hebräisch
und Englisch und die hoch erhobene israelische Flagge.
Die Inschrift am Rand: „Die Freiwilligen des Yishuv
in den britischen Streitkräften, 1939–1946“ auf
Hebräisch und Englisch.
Sowie „Wenn jemand dich töten will, schlag zuerst
zu“ (Talmud Brachot 62). Die hebräischen Buchstaben
„chaf“ und „lamed“ erscheinen wie zwei sich gegenüberstehende
Schwerter. Auf dem Rand steht die
englische Übersetzung des oben genannten Zitats.
Rechts ist das gelbe Abzeichen zu sehen, das den Juden
Europas von den Deutschen aufgezwungen wurde.